Vor ein paar Tagen hat mich eine Frage erreicht, die so oder so ähnlich sicher schon oft gestellt wurde: Warum schreibt man “ihr seid” mit d und “ihr wart” mit t? Eine befriedigende Antwort kann ich auch nicht geben, aber vielleicht eine amüsante.
Das Problem mit “sein” ist das gleiche wie mit allen unregelmäßigen Verben, nur noch ein bisschen schlimmer: Es ist so unregelmäßig wie kein anderes deutsches Verb (das mir auf Anhieb einfällt
).
Im Präsens bietet sich uns folgendes Bild:
Ich bin
Du bist
Er/sie/es ist
Wir sind
Ihr seid
Sie sind
Hier wäre unser “seid” aus der Frage. Warum mit d? Naja, zuallermindest, um Generationen von Schülern in Verwirrung zu stürzen, denn “seit” mit t gibt es durchaus, allerdings in anderer Bedeutung, nämlich als Verweis auf etwas, das sich nach einem bestimmten Ereignis oder Zeitpunkt ereignet hat oder andauert. Und wie merkt man sich so etwas? Naja, “seit” und “Zeit” reimen sich
Und das andere? Hier sieht es so aus:
Ich war
Du warst
Er/sie/es war
Wir waren
Ihr wart
Sie waren
Schon etwas regelmäßiger, oder nicht? Das End-t in der zweiten Person Plural jedenfalls lässt schon fast an regelmäßige Formen denken. Doch die Tücken haben kein Ende, denn auch “ward” gibt es. Wir erinnern uns, grob aus dem Kopf zitiert:
“Gott sprach, es werde Licht. Und es ward Licht.”
Ah. “Ward” bedeutet also demzufolge “wurde”. Und ist in dieser Form ziemlich veraltet, um ehrlich zu sein, auch wenn es seinen Platz in der Bibel seit Jahrhunderten erfolgreich verteidigt. Wir sehen also, hier geht es um ein völlig anderes Verb, nämlich “werden”. Fragen wir uns zur Unterscheidung also, ob etwas bereits in einem bestimmten Zustand war oder ihn erst noch annehmen musste, dann fällt auch hier die Unterscheidung nicht schwer.
In all dem Chaos bleibt tröstlich nur der Gedanke, dass “werden” auch ein Hilfsverb ist, genau wie “sein”